27. November 2025, Mensa OHG:
Prof. Dr. Thomas Maissen (Ruprecht Karls Universität Heidelberg)
,Alte Demokratie, neue Demokratie –
Republiken im Zeitalter der Französischen Revolution
Die erste Französische Republik hat ab 1792 alle vormodernen Republiken zu Grabe getragen: Venedig, Genua und Lucca, die Vereinigten Provinzen der Niederlande, die Eigenossenschaft und ihre Verbündeten in Graubünden und im Wallis und schließlich, unter Napoleons Konsulat, die deutschen Reichsstädte. Das ist nur scheinbar paradox. Das Verständnis von Freiheit veränderte sich grundlegend um 1800; und damit auch die Vorstellungen von Volkssouveränität, Republik und Demokratie
Der nordamerikanische Auto-Hersteller Henry Ford meinte: „Geschichte ist Müll!“
Wir sind anderer Meinung und beschäftigen uns mit Ereignissen, Entwicklungen und Deutungen von Geschichte, die wir als bereichernd in unserer Kulturgeschichte betrachten. Als Bezirksgruppe des Historischen Vereins der Pfalz liegt uns zwar die pfälzische – auch lokale – Geschichte besonders nahe, doch richten wir auch den Blick auf weltgeschichtliche und europäische Perspektiven von der Vorgeschichte bis hin zur Zeitgeschichte.
Diese Horizonterweiterungen führen wir mithilfe von monatlichen Vorträgen, dem Historiographischen Quartett oder auch mithilfe von Exkursionen durch. Darunter sind Schulexkursionen (beispielsweise nach Verdun) oder Tagesausflüge (Straßburg, Mainz, Mosel) beziehungsweise mehrtägige Exkursionen (Südpolen, Zentralspanien, nach Franken u. Sachsen, Siebenbürgen).
Wir freuen uns über Ihr Interesse an der Geschichte und laden Sie ein, die Angebote rege wahrzunehmen. Lesen Sie über die Geschichte Landaus und seiner Umgebung, oder informieren Sie sich über unsere Vorhaben. Ein Aufnahmeformular können Sie herunterladen, dort auch den Beitritt zur Bezirksgruppe benennen und sich zu Exkursionen anmelden.
Herzlich willkommen!
Programm 2025-2026
Vorträge i.d.R. in der Mensa des OHG (Westring 11, Landau)
Rückfragen bitte an: anmeldung@hist-verein-ld.de
Ringvorlesung Demokratiegeschichte:
Im Winter 2025/2026 widmet sich die Bezirksgruppe Landau des Historischen Vereins der Pfalz ganz dem Thema Demokratiegeschichte in der Pfalz.
Ringvorlesung Demokratiegeschichte im Winter 2025/2026 Im Winter 2025/2026 widmet sich die Bezirksgruppe Landau des Historischen Vereins der Pfalz ganz dem Thema Demokratiegeschichte in der Pfalz.
8. Januar 2026, Prof. Dr. Wilhelm Kreutz (Universität Mannheim): Die Pfalz von der Französischen Revolution bis zum Hambacher Fest
Vor dem Hintergrund der Franzosenzeit (bis 1815) avancierte das später „Pfalz“ genannte Gebiet zur politisch fortschrittlichsten Region im Deutschen Bund. Die Opposition artikulierte sich scharf im Bayerischen Parlament aber auch außerhalb. Neben wirtschaftlichen Reformen forderten sie die Gewährung von Grund- und Freiheitsrechten sowie die Schaffung einer deutschen Nation. 1832 erreichten die Proteste beim „Hambacher Fest“, der ersten Massenkundgebung der deutschen Demokratiebewegung, ihren Höhepunkt.
22. Januar 2026, Prof. Dr. Karsten Ruppert (Univ. Eichstätt): Der pfälzische Frühliberalismus vom Hambacher Fest bis zum Pfälzer Aufstand (1832 -1849)
Im Deutschen Bund war die Pfalz eine der Regionen, wo am frühesten liberale Strömungen erkennbar sind.Im Vortrag werden die geistigen und politischen Gründe dafür offengelegt. Darüber hinaus wird ein Sozialprofil der Träger der Bewegung entwickelt und nach deren organisatorischer Struktur gefragt Deutschen Bund war die Pfalz eine der Regionen, wo am frühesten liberale Strömungen erkennbar sind.Im Vortrag werden die geistigen und politischen Gründe dafür offengelegt. Darüber hinaus wird ein Sozialprofil der Träger der Bewegung entwickelt und nach deren organisatorischer Struktur gefragt.
Vortrag findet im Gemeindesaal Heilig Kreuz statt!
Im Deutschen Bund war die Pfalz eine der Regionen, wo am frühesten liberale Strömungen erkennbar sind. Im Vortrag werden die geistigen und politischen Gründe dafür offengelegt. Darüber hinaus wird ein Sozialprofil der Träger der Bewegung entwickelt und nach deren organisatorischer Struktur gefragt
5. Februar 2026, Dr. Michael Sprenger (Bundesstiftung Orte der deutscher Demokratiegeschichte, Frankfurt), Was ist und wie wird man ein Ort der Demokratiegeschichte? Regionale und lokale Beispiele (u.a. aus der Pfalz).
Die noch junge Bundesstiftung „Orte der deutschen Demokratiegeschichte“ hat den gesetzlichen Auftrag, das öffentliche und individuelle Bewusstsein für die deutsche Demokratiegeschichte und deren Bedeutung zu stärken. Demokratisches Engagement braucht historische Vorbilder. Sie zeigen, dass jede und jeder Einzelne etwas bewegen kann. Demokratie braucht daher Orte, an denen ihre Ereignisse lokalisiert, markiert, sichtbar und erfahrbar gemacht werden. Orte der Demokratiegeschichte sind historische Stätten und Schauplätze, an denen Menschen für Freiheit, Pluralismus und Mitbestimmung kämpften, wo diese Werte errungen, verteidigt, eingefordert und gestaltet, aber immer wieder auch verloren wurden. Der Vortrag beleuchtet an konkreten bekannten und weniger bekannte Beispielen derartiger Orte der Demokratiegeschichte aus der Pfalz
5. März 2026 Dr. Kristian Buchna (Stiftung Hambacher Schloss): Zwischen Geschichtspolitik und Systemkritik. Das Hambacher Schloss als umkämpfter Ort der deutschen Demokratiegeschichte
Als „Wiege der deutschen Demokratie“ zählt das Hambacher Schloss zu den herausragenden Orten der deutschen Demokratiegeschichte. Zugleich sieht sich kein anderer dieser Orte vergleichbaren Vereinnahmungsversuchen ausgesetzt. Der Vortrag geht den Ursachen dafür nach, warum das Hambacher Schloss für ganz unterschiedliche politische Milieus so attraktiv ist und nimmt dabei auch gegenwärtige Entwicklungen in den Blick.
Weitere Termine folgen zeitnah!
Kurze Geschichte von Landau und Umgebung
Die Gegend des Oberrheingrabens ist schon in der Vorgeschichte besiedelt gewesen. Weltweite Aufmerksamkeit haben die Zeugnisse der Bandkeramikkultur bei Herxheim (ab ca. 5300 v. Chr.) erfahren, die darauf schließen lassen, dass vor allem junge Menschen aus einer Entfernung bis 500 km an diese Siedlungs- und Kultstätte wohl auch zur Opferung gebracht wurden. Aus der Römerzeit gibt es vielfältige Zeugnisse innerhalb der ehemaligen Provinz Germania Superior; und auf dem Gebiet Landaus ragen ein Viergötterstein (als Spolie in der Evang. Kirche in Nussdorf) oder ein von der Gemarkung Godramstein stammender Minerva-Stein im Stadtmuseum heraus. In den umliegenden Dörfern haben auch jüngst wieder Archäologen Siedlungs- und Begräbnisplätze aus der Merowinger- und Karolinger-Zeit gefunden. Das älteste Gebäude der Stadt ist seit 1000 Jahren die Kirche bzw. der romanische Kirchturm von Wollmesheim. Seit dem Mittelalter waren nicht nur Niederadel, sondern auch durch die bei Annweiler gelegene Reichsburg Trifels der Kaiser in der Region präsent.
Die Grafen von Leiningen gründeten im Vorfeld ihrer bei Klingenmünster liegenden Burg Landeck in der feuchten Queichniederung eine Art Schutzburg: Land Au. Diese bereits 1268 als „civitas“ erwähnte Siedlung bekam 1274 durch Rudolf von Habsburg Stadtrechte (Bau der Stadtmauer, Wochenmarkt, Selbstregierung aufgrund einer Ratsverfassung) und wurde 1291 eine dem Kaiser direkt unterstellte Reichsstadt erhoben. Die heute noch – meist in veränderter Form – bestehenden baulichen Zeugnisse (a. Katharinenkapelle – wohl aus zwei Vorgängerbauten ab 1344 errichtete Beginenkapelle mit bauzeitlichen Innenmalereien eines Passionszyklus; b. ab 1282 die gotische Stiftskirche der Augustiner-Chorherren – mit spätmittelalterlichen Fresken des Kapitelsaals – sowie ab 1349 deren Turm; c. das ab dem 14. Jh. belegte Augustinereremitenkloster) belegen ein wirtschaftlich blühendes Gemeinwesen im Hoch- und Spätmittelalter, in dem auch Juden lebten. Bereits 1436 gründeten Rat und Stadt die in der Pfalz älteste Lateinschule (den Vorläufer des Humanistischen Gymnasiums). Die Verpfändung 1324 an den Bischof von Speyer konnte erst 1511 durch eine von der Stadt aufgebrachte Ablöse aufgehoben werden.
Landau beherbergte immer wieder auch die Spitze des Reiches, darunter Kaiser Maximilian I. sowie Karl V. und bot für die Prominenz in seiner Nobelherberge im bereits 1287 erstmals erwähnten „Haus zum Maulbeerbaum“ exzellentes Quartier. Politisch schloss sich die Reichsstadt Landau im Jahre 1521 der 1354 konstituierten elsässischen Dekapolis – Zehnstädtebund – an. Mit dem durch Franz von Sickingen dominierten Rittertag von Landau (1522) im Haus zum Maulbeerbaum und dem dort vereinbarten Landauer Bund sah die Stadt eine festliche politische Manifestation südwestdeutscher Adeliger in ihren Mauern. Pioniere der von Wittenberg ausgehenden Reformation sind im Südwesten des Reiches auszumachen: evangelischen Abendmahlsgottesdienst erlaubte Franz von Sickingen – auf der Ebernburg. Der Landauer Stiftsgeistliche Johannes Bader schloss sich 1522 der Bewegung an; er war der erste in Deutschland, der 1526 einen evangelischen, deutschen Katechismus „Gesprächbüchlein für das junge Volk zu Landau“ drucken ließ neben weiteren reformatorischen Schriften und Maßnahmen.
Die „Revolution des gemeinen Mannes“, der Bauernkrieg erfasste vor allem Landaus Umfeld, im 30jährigen Krieg hatte Landau aufgrund von siebenmal wechselnder Besatzung schwer zu leiden. Nach dem Westfälischen Frieden geriet die Dekapolis unter die Botmäßigkeit des „Sonnenkönigs“ Louis XIV, und seit dem Frieden von Nijmegen 1679 gehörte (mit Unterbrechung von 1704-1713) Landau bis 1815 zu Frankreich. Zwischen 1688 und 1691 errichteten die Franzosen nach Plänen von Vauban eine sternförmig ausgebaute Festung, deren Gelände 1689 gezielt durch Brandstiftung „vorbereitet“ wurde. Dennoch wurde die Stadt zwischen 1701 und 1713 viermal nach Belagerungen übergeben, die ungünstig zu sichernde Südflanke der Festung war militärischer Schwachpunkt. Erst im 18. Jahrhundert verdoppelte sich die Bevölkerung wieder auf gut 5 000 Einwohner (1791) mit einer 3000 Mann starken Garnison.
Die Französische Revolution wurde auch in der Provinzstadt Landau aufgegriffen, es wurde eine bürgerliche Variante eines Jakobinerclubs begründet, die Augustinerkirche zum Tempel der Vernunft erklärt und daneben die Guillotine errichtet. Nachhaltige Wirkung erzielt die napoleonische Herrschaft, die mit dem Code Civile das Rechts- und Politikbewusstsein der Bürger des von 1816 bis 1945 zu Bayern gehörenden Rheinkreises bzw. der Pfalz bestimmte. Während in der Festungsstadt Landau die politisch Verantwortlichen für das „Hambacher Fest“ (1832) im Assisenprozess (1833) verurteilt wurden, gewann in der Stadt der Freiheitsgeist 1848 Raum. Während die daran beteiligten Bürger in der restaurativen Phase einigermaßen glimpflich davon kamen, wurden die Militärs hart bestraft. Einer der wichtigsten politischen Karikaturisten des 19. Jahrhunderts stammt aus Landau, wirkte allerdings in den USA: Thomas Nast. In Landau amtierte der ehemalige „Revolutionär“ Friedrich A. Mahla ab 1887 als Bürgermeister.
Kurz vor dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 galt die Bundesfestung Landau militärisch bereits als obsolet. Sie wurde nach 1871 geschleift, die Stadt konnte sich aus deren Korsett befreien. Die Bürger erbauten in der nachfolgenden Friedensperiode im Geschmack der Gründerzeit und im Jugendstil mit den Ringstraßen und den mehr als 500 bis heute erhaltenen, zum Teil prachtvollen Gebäudeensembles ein „kleines Wien an der Queich“ – inklusive der Jugendstilfesthalle (1907, Restaurierung 2000-2002). Kellereien, Handel und Gewerbe florierten, die Bayerische Armee errichtete große Kasernenanlagen an dem ab Mitte des 19. Jahrhunderts entstandenen Eisenbahnknoten.
Einen nicht unerheblichen Anteil der Kultur- und Wirtschaftsleistung steuerten jüdische Familien bei, deren südpfälzisches Hinterland der aufstrebenden, weitgehend assimilierten, liberalen und geachteten Gemeinschaft erheblichen Zuzug bescherte, welche 1880-1884 eine im maurischen Stil gehaltene, monumentale Synagoge errichtete. Das seit dem 18. Jahrhundert bestehende Simultaneum (die zeitlich versetzte gemeinsame Nutzung des christlichen Kirchenraums) der Stiftskirche wurde 1893 aufgelöst, deren Gebäude die protestantische Gemeinde erhielt, woraufhin schließlich 1908-1911 die Marienkirche als katholischer „Dom der Südpfalz“ errichtet wurde.
Im 20. Jahrhundert hinterließen beide Weltkriege deutliche Spuren im Stadtbild. Beispielsweise wurde das Hafermagazin aus Stahlbeton 1915 errichtet. Im Zweiten Weltkrieg richteten 35 Fliegerangriffe in der Innenstadt, auf den Kasernengeländen und den Bahnanlagen massive Schäden an, beim letzten und verheerendsten am 16. März 1945 starben 176 Menschen. Nach beiden Weltkriegen verlegte die französische Armee Besatzungstruppen (1918-1930 sowie 1945-1955) und Militärpräsenz bis 1999 in die Kasernen der Südstadt. Die französische Anwesenheit hat vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine atmosphärische Wandlung erfahren: aus ehemaligen Feinden wurden befreundete Partner und Nachbarn mit einem lebendigen Kulturaustausch, Landau wurde in der französischen Armee die beliebteste Auslandsgarnison.
Die Zustimmung zur NSDAP wuchs Ende der 1920er Jahre überproportional und übersprang die 50%-Marke im November 1932. Schon im März 1933 gab es in der Fortkaserne ein sogenanntes Schutzhaftlager, in das die Massen an politischen Gefangenen des NS-Regimes eingezwängt und misshandelt wurden. Die Gleichschaltung wurde rasch und konsequent betrieben, jüdische Geschäfte boykottiert, Bücher verbrannt, die Synagoge 1938 in Brand gesteckt und schließlich die noch nicht ausgewichenen Landauer Juden 1940 aus dem Sammellager im Frank-Loeb’schen Haus nach Gurs (Pyrennäen) deportiert, von wo aus viele in den Vernichtungslagern Osteuropas den Tod fanden. Im Frank-Loeb’schen Haus wird an die Geschichte der jüdischen Gemeinde und Landauer Mitbürger erinnert.
Bildung spielte seit der spätmittelalterlichen Gründung der Lateinschule eine wichtige Rolle. Im 19. Jahrhundert kamen weitere Bildungsanstalten (insbesondere auch für Mädchen) hinzu sowie im 20. Jahrhundert weitere Gymnasien und eine Vielfalt an Schultypen, darunter auch das Naturwissenschaftliche Technikum Dr. Künkele oder die Berufsschule. Schließlich wurde 1949 in der ehemaligen Harr‘schen Handelsschule die katholische Pädagogische Akademie gegründet, aus der über Zwischenstufen 1990 die Universität hervorging. Die Universitätsstadt beherbergt inzwischen weit mehr als 8 000 Studierende (circa 50% der Gesamtzahl der Universität Koblenz-Landau) und prägt mit Campusschule und den weit in der Region verstreuten Standorten der Umweltwissenschaften das gesamte Umland.
Die Stadtentwicklung nahm einen kontinuierlichen Verlauf: zwischen 1870 und 2016 stieg die Bevölkerungszahl von ca 5 000 in der Kernstadt aufgrund der darum gruppierten Baugebiete und in den heute acht Stadtdörfern auf rund 45 000 Einwohner. Landau ist heute die größte weinbautreibende Kommune in Deutschland. Medizinische und pharmazeutische Versorgung und die Infrastruktur hielten mit dem Zuwachs Schritt, konfessionelle Krankenpflegevereine sowie diakonische und caritative Einrichtungen etablierten sich, auch liegen zwei Krankenhäuser in der Stadt.
Die Stadt und ihre Umgebung haben in der Grenzregion zu Frankreich, die man aber auch als durchlässigen und belebenden Kontaktraum beschreiben kann, eine wechselvolle Geschichte erlebt. Wir blicken aber über den Horizont hinaus und laden Sie ein, mit uns auf Entdeckungsreise zu gehen:
- bei Vorträgen,
- Tagesausflügen
- Exkursionen
Wir freuen uns auf Sie und Ihr Interesse an der Geschichte!
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